
Anette Niedermeier aus Memmingen hat ihre erste CD „Frames“ mit Profimusikern aufgenommen. Was sie antreibt, lyrische Jazzsongs zu schreiben.
„Ich habe immer gewusst, dass das in mir steckt“, sagt Anette Niedermeier. Gemeint sind die Songs, die sie selbst geschrieben und komponiert hat und die nun auf CD erschienen sind. „Frames“ heißt das Debütalbum der 54-jährigen Memmingerin. Wie das klingt, ist diese Woche auf der Memminger Meile zu hören, wo Anette Niedermeier ihr Werk am Samstag, 1. Juli, um 20 Uhr im Antonierhof erstmals der Öffentlichkeit vorstellt.
Feiner Songwriterjazz erwartet die Zuhörer und Zuhörerinnen dabei.
Neben ihren eigenen Songs performt Anette Niedermeier auch Jazz-Standards, etwa von Abbey Lincoln oder Miles Davis. Begleitet wird sie dabei von ihrer Münchner Studioband – alles hoch „dekorierte Musiker und Musikerinnen“, wie sie betont: Jazzpianistin Andrea Hermenau (2021 Kulturpreis Stadt München, 2020 Nominierung BMW World Jazz Award), Trompeter Julian Hesse (2020 Bestes Album Bayerischer Rundfunk), Peter Cudek (Bass) und Stefan Noelle (Percussion).
Musik hat Anette Niedermeier schon seit ihrer Kindheit begleitet. Sie hat in mehreren Chören gesungen – auch während verschiedener Auslandsaufenthalte – und sich das Gitarrespielen selbst beigebracht. Studiert hat sie dann aber Literatur und Sprachen, sie unterrichtet Englisch und Französisch. (…) Und doch hat sie sich in den vergangenen 16, 17 Jahren immer intensiver auch mit der Musik beschäftigt. Hat Gesangs- und Gitarrenunterricht genommen, Workshops im In- und Ausland besucht. Und sich dabei dem Jazz zugewandt, der Königsdisziplin unter den Stilrichtungen, sagt sie.
So ergab sich eins aus dem anderen, „ich habe einfach immer mitgenommen, was ich kriegen konnte an Inspiration“. Irgendwann landete sie an der Jazzschool München und nutzte ihr Sabbatjahr für ein Jazzstudium am FMZ München, das sie im Januar 2020 mit Diplom abschloss.
So ging es Anette Niedermeier im ersten Songwriter-Workshop in England
Wie Anette Niedermeier dazu kam, selbst zu texten und zu komponieren? Sie buchte ihren ersten Songwriter-Workshop in England, als sie ihre Tochter während deren Auslandsjahr besuchte. „Alle hatten schon Texte dabei, nur ich nicht“, erinnert sie sich und lacht.
Das sollte ihr dann nicht noch einmal passieren, als sie sich für den nächsten Kurs an der Berufsfachschule für Musik in Krumbach beworben hatte. Also hat sie den Song „Having gone“ dafür komponiert. „Als ich ihn vorgespielt hatte, war es total still im Raum“, erinnert sich Niedermeier. „Die anderen wollten kaum glauben, dass das mein erster Song war“. Da sei bereits alles drin, was sie nun in der Theorie lernen sollte, sagte man ihr. „Total komplex und trotzdem leicht“, sei dieser Song, beschreibt ihn seine Schöpferin. Um einen Rückblick auf das eigene Leben geht es dabei – und Dankbarkeit dafür.
Anette Niedermeier fängt immer mit dem Text an
Das war Anette Niedermeier Ansporn genug, weiterzumachen. „Ich fange immer mit dem Text an“, erzählt sie. Weil sie da ihr Literaturstudium und ihre Sprachen einfließen lassen kann. „Man muss bei sich sein, in sich auf den Grund gehen, dann entsteht ein Thema“, beschreibt sie diesen kreativen Prozess. „Dabei ist es gar nicht so leicht, in Flow zu kommen, wenn ich es habe, versuche ich zu texten.“ So entstehen Lieder wie „Attendant“, ein französisches Chanson, das in Worte fasst, wie sie sich am Kaminfeuer nach dem Frühling sehnt; oder „Flowering“, in dem es um die Zartheit der Magnolienblüte geht. Neu und noch nicht auf der CD ist „The peace of wild Things “, inspiriert von unserer unruhigen, von Sorge erfüllten Zeit. Wie Farben verbinden sich dann die Harmonien ganz organisch mit den Texten, erklärt die Musikerin.
Überhaupt entwickelte sich ihre Musikerinnenlaufbahn sehr organisch. Sie hat nichts forciert, viel ausprobiert, wenn nötig nachjustiert, immer neugierig darauf, nach vorne zu gehen. Eins fügte sich zum anderen, bis hinein ins Tonstudio. Das war im August vergangenen Jahres, vier Monate später war die CD „Frames“ fertig.
Das Booklet von "Frames" hat der Künstler Robert Paulus gestaltet
Den Titel hatte Niedermeier schon lange davor im Songwriterworkshop festgelegt – obwohl die anderen meinten, „Rahmen“ schränke sie doch nur ein. „Das finde ich nicht, sagt sie. Jeder bewege sich in bestimmten Rahmen, aber die Bilder darin könne jeder selbst gestalten. Auch die kunstvollen Fotografien im Booklet zur CD haben einen Rahmen: Es sind Polaroids von Robert Paulus. Sie stammen aus seiner Studienzeit an der Kunstakademie. „Er hatte nur 20 Stück von diesen wunderschönen Aufnahmen in einer Schachtel“, berichtet Niedermeier. „Aber es war sofort klar, welche zu welchem Song gehört.“ Wieder so eine Fügung, die sich wie von selbst ergeben hat.